2012

Es ist angebrochen, das Jahr, in dem der Mayakalender endet (hat nichts mit der von Karel Gott besungenen Biene zu tun), das Wassermannzeitalter beginnt (wem das nichts sagt: den Film «Hair» ansehen) und laut dem ein oder anderen die Welt untergeht (ist selbsterklärlich). Nun, wir werden wohl erst nächstes Silvester sehen, was davon eingetroffen ist. Doch der Beginn des Jahres enthielt bereits Auf- und Untergänge.

Es ging wie auch die letzten Jahre im Vereinsheim los – nach der überzeugenden Premiere und rauschenden Derniere von «Odyssee», dem neuesten Stück der Bürgerversammlung Schwabing. Diesmal wurde das bisherige Mindestprobenaufkommen (inkl. des Schreibens) von drei Tagen nochmals unterboten und auf satte zwei Tage heruntergeschraubt, was das Publikum wieder mal mit grandioser Gelassenheit und beeindruckender Sachkenntnis hinnahm (die Kritik zum Werk hier).

Dann folgte der erste Poetry Slam des Jahres, wieder im Substanz, wobei es diesmal Lektionen in Demut anzunehmen galt, aber auch ohne Finale ein feiner Abend blieb.

In Hannover dann das erste Mal im neuen Jahr «MoralCarpaccio», ein wunderbarer Abend trotz Grippe im TAK. Am nächsten Tag in Ellwangen blieb die Grippe, der Spielort war zauberhaft, aber es gab eindeutig Missverständnisse zwischen Bühne und Publikum. Und der Presse. Die beißende Kritik in der Gmünder Tagespost rätselt:

„Am Anfang versucht man noch mitzudenken. Warum vergleicht er Angela Merkel mit der Deutschen Bahn? Kommt da noch die Auflösung oder ist Sven Kemmler schon wieder fünf Schritte weiter? Ist Derrick moralisch oder unmoralisch oder warum lässt Sven Kemmler ihn gerade in einem deutschen Autorenfilm mit nackten Brüsten und schlechter Musik auftreten? Und was haben Helmuth Schmidt und Manfred von Richthofen damit zu tun?“ (Anmerkung: Das zusätzliche „H“ in Helmuth Schmidt ist nicht von mir hinzugefügt. Ich nehme an, es handelt sich um eine Steigerung ins Schwermütige hinein, so wie bei „Wermuth“).

Was hier also noch klingt wie klassischer Kabarett-Pressetext, mündet dann aber in vernichtenden Worten, die so hart sind, dass ich sie nicht wiedergeben kann und zutiefst verletzt erwäge, die Gmündner Tagespost nie mehr zu kaufen. Ich bin nur froh, dass die Dame die Silvestershow nicht gesehen hat.

Jetzt ist also dringend Wiedergutmachung angesagt, am 27.1. in Memmingen und von 1. bis 4. Februar in der Lach- und Schießgesellschaft München. Ich freue mich schon sehr darauf, werde über Weiteres hoffentlich zeitig informieren und verbleibe einstweilen, die Grippe auskurierend und mit einem herzlichen toi, toi, toi den Weltuntergang betreffend.

Stets der Ihre,
Sven

P.S.: Noch ein Tipp zur Münchner Abendgestaltung bis zum 1. Februar: «Der nackte Wahnsinn» im Lustspielhaus, von und mit meiner wunderbaren Regisseurin Gabi Rothmüller sowie herrlich unsinnig aufgelegten Kollegen. Anschauen!

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