„Die große Cello Mafia Radioshow“ hat das Licht der Ätherwellen erblickt. Nachdem ich die Freude hatte, das Stück zu schreiben und die letzten Tage Dominik Wilgenbus regiehalber zu vertreten, war es eine Freude, diese anmutige Kombination aus Virtuosität und Unsinn freizulassen und den geneigten Delinquenten im Auditorium zu Gesicht und Gehör zu bringen. Und die wiederum wirkten unzweifelhaft, wie wenn es ihnen Freude bereitet. Zu diesem Ergebnis kamen noch andere:
Guerillas im Nebel
Klamauk, Fantasie und wenige Requisiten: „Die große Cello Mafia Radioshow“
Bomben bauen, Pointen zünden, Genre-Grenzen sprengen: Auch in ihrem neuen Musicomedy-Programm gibt sich die Cello Mafia wieder ihren Lieblings-Leidenschaften hin. Kabarettist Sven Kemmler hat ihnen „Die große Cello Mafia Radioshow“ auf die Leiber geschrieben – eine absurde Farce, in der die fünf Mafiosi nach der Weltherrschaft streben: Sie träumen davon, sämtliche Steuern durch eine Schutzgeldpauschale zu ersetzen. Zu diesem Zweck besetzen sie einen Radiosender und wollen die Bevölkerung mit eigens produzierten Nachrichten, Werbespots und Seifenopern unterwandern. Doch die Revolution scheitert, und die Putschisten müssen im Vatikan untertauchen – sie mutieren von Guerillas im Nebel zu einer munter musizierenden Sixtinischen Kapelle. Kurz: Das Ganze ist ein Riesenblödsinn, an dem vermutlich auch Karl Valentin seine helle Freude gehabt hätte.
Regisseur Dominik Wilgenbus hat die Steilvorlage dankbar angenommen und mit Lust am Klamauk, viel Fantasie und wenigen Requisiten eine schräge, flotte Musik-Revue inszeniert, die bei der Premiere im Freimanner Metropol-Theater stürmisch bejubelt wurde. Da wird aus einer Kaffeemühle plötzlich ein Telefon, Celli verwandeln sich mal in Pferde, mal in Ruderboot-Paddel, und die Bögen werden als Lassos oder Regenschirme missbraucht.
Das sonnenbebrillte Quintett singt zwar bisweilen zum Gotterbarmen, musiziert aber zum Niederknien: Auf dem Cello sind die fünf witzigen Mafiosi wahre Virtuosi. Klassik und Pop, Werbejingles und Filmmusik, mexikanische Mariachi-Lieder und argentinischer Tango – die Truppe hat alle Stilrichtungen drauf. Kühn kombiniert sie „Kalinka“ und „Country Roads“, zelebriert bayerische Volksmusik brillant (wenn auch mit Leichenmiene) und schreckt selbst vor Barry Manilow oder Wenke Myhre nicht zurück. Großen Anteil am Erfolg des Abends haben die fabelhaften, originellen Arrangements von Thomas Wollenweber, der etwa „Ti Amo“ erst in Balkanklänge taucht und dann in ein Samba-Ciewand steckt. Und spätestens wenn Fany Kammerlander zu „Smoke On the Water“ ihr E-Cello auspackt, kocht die Stimmung im Saal endgültig über.
Marco Schmidt, Münchner Merkur, 25. März 2011
