Fake! – Echtes mit Ecco

Ecco Meineke legt ein wunderbares Soloprogramm zu Füßen der geneigten Öffentlichkeit und ich durfte Regie führen. Eine ganz wunderbare Zusammenarbeit mit viel Spaß trotz des sportlich gestrickten Zeitplans. Und die Süddeutsche Zeitung stimmt dieser Einschätzung zu.

Der Vielseitige

Ecco Meineke im Oblomow

München – In den ersten Minuten ist er Ecco di Lorenzo. Zu Dean Martin fehlen nur die Zigarette, das Whiskeyglas und die Show-Treppe. Das swingt, das groovt, that’s entertainment! Musik aus – und schon ist Ecco Meineke, der Schau-Spieler, Anti-Atomkraftler, Google- und Berlusconi-Hasser. Ein Hut, eine Kappe, eine Drehung um die eigene Achse und er ist ein zahnloser Alter, ein polternder Ruhrpottler oder ein Joint rauchender Tepco-Chef. Ecco ist viele. Ist Soul-Man, Nat King Cole, Folksänger, Dichter, Lach- und Schieß-Texter und -Spieler und Solokabarettist. Mit seinem neuen Programm „Fake!“ hat er im Theater Oblomow etwas geschafft, was nicht jedem Vielbegabtem gelingt.

Wer den Kabarettisten Ecco Meineke über die Jahre verfolgt hat, konnte ihm zuweilen einen gewissen Hang zum moralischen Zeigefinger nicht absprechen. In „Fake!“ ist davon nichts mehr zu spüren. Unpersonen wie Sarrazin watscht er genauso unerbittlich wie früher ab („Aber du sprichst ja nur aus, was alles denken: Lieber nach unten treten als sich mit denen oben anlegen“), und doch wirkt sein Vortrag leichter, befreiter, flüssiger. Regisseur Sven Kemmler, mit dem Meineke auch bei der Lach- und Schießgesellschaft zusammenarbeitet, ist es gelungen, den brillanten Texter Meineke mit dem großen Entertainer Ecco aufs Unterhaltsamste zu verschmelzen.

Er widmet sich der zeitgenössischen Kulturtechnik des Fakens, fragt: „Warum fahren wir ab auf Fake? Es ist unsere Natur!“ Fälschung und Betrug sind allgegenwärtig. Die Osama-Videos? Alle in München gedreht, mit einem Gemüsehändler aus Englschalking. Die Wartungsberichte aus Fukushima? Alles längst geschmolzen! Das Telefonat mit Brad Pitt? Nur eine Anruf-App. Aber: alles halb so wild. Es gibt Wichtigeres: ein ehrliches Lachen. Und Ecco di Lorenzo singt: „Smile!“

Thomas Becker, Süddeutsche Zeitung

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