Die Wehrpflicht ist abgeschafft. Zeit also zurückzublicken und zu erforschen, warum es sie überhaupt gegeben hat. Eine Aufgabe für die Trümmermänner, der militärische Arm der Schwabinger Bürgerversammlung, bestehend aus dem Autor Michael Sailer, dem Kabarettisten Sven Kemmler, dem Poeten und Wissenschaftler Georg «Grög!» Eggers und dem Veranstalter Till Hofmann.
Gemeinsam unternehmen sie eine literarische Reise in die seltsame Welt des Krieges, verbinden absurdes Theater und Lesebühne mit Originaltexten aus 2.000 Jahren Kriegsgeschichte und kabarettistische Elementen zu einer scharfen Melange die anregt und unterhält.
Ein komischer, ein galliger Abend, der einen friedlichen Geschmack auf der Zunge hinterlässt und an dem dennoch Helmut Qualtinger seine Freude haben würde. Nur im Vereinsheim.
Auch hierzu gab es eine Rezension, die nicht vorenthalten werden soll:
Bisschen Raketen
„Krieg! Eine komische Untersuchung“ im Vereinsheim
München – Aus is! Deutschland hat die Wehrpflicht abgeschafft, und freiwillig rückt keiner ein. Für die Schwabinger ‘Trümmermänner’ ein unhaltbarer Zustand, schließlich bedeutet Krieg Fortschritt. Meint Michael Sailer. Weshalb der Autor und seine ‘Kameraden’, Kleinkunst-Impresario Till Hofmann, Kabarettist Sven Kemmler und Physiker Georg Eggers, im Vereinsheim angetreten sind, um für die Wiedereinführung zu kämpfen. Zwei Stunden lang reihen sie Argument an Argument. Werfen Augustinus in die Schlacht und seine Rechtfertigung des bellum iustum; lassen ‘Helden des Krieges’ wie Hindenburg aufmarschieren, der die Schlacht von Tannenberg verpennt hat – um zum Schluss ‘Ein bisschen Raketen, das ist doch ethisch zu vertreten’ zu singen.
‘Krieg! Eine komische Untersuchung’ heißt ihr Programm. Bedeutet konkret: Alle Geschütze pro Krieg fliegen den Angreifern postwendend um die eigenen Ohren. Manche besitzen eine schwächere, manche eine stärkere Lachtrefferwirkung. Ähnliches gilt für die Kollateralschäden beim Zuhörer. Die vier tragen Uniform. Aber was heißt hier Uniform! Hofmann etwa steckt larifari im roten Circus-Krone-Outfit und Kemmler in einem schlechtsitzenden Tarnfarbenanzug. Auch vom Strammstehen scheinen die vier noch nie was gehört zu haben. Lümmeln stattdessen an ihren zwei Tischen und kippen Bierchen. Hofmann wird nur einmal schneidig. Als zu fortgeschrittener Stunde neue Gäste eintrudeln, raunzt er: ‘Abtreten! Setzen!’ Ansonsten schwadroniert er von Zahlen, verheddert sich wunderbar gnadenlos beim Versuch, die versicherungsrechtlichen Aspekte eines Krieges darzulegen. Währenddessen versucht Eggers auf E-Bay eine Atombombe zu ersteigern. Und erzielt null Treffer.
Florian Welle, Süddeutsche Zeitung 9. Mai 2011
