Sven Kemmler

Auf See – Fotografien und ausgesuchte Gedanken

14.1. — 26.2.2025
CafédotKom München

Die Ausstellung „Auf See“ ist ein Wechselspiel von Fotografien und ausgesuchten Gedanken, die sich auf komische Art gegenseitig beeinflussen und unterminieren. Doch was verbindet Fotografie und Komik?

Beide suchen ungewöhnliche Perspektiven auf die Welt. Nun galten Fotografien lange Zeit als authentisch, als Abbildung der Realität. In Zeiten von KI und inhaltlich verfälschenden Bildbearbeitungen misstraut man Bildern jedoch zunehmend. Aber nur, wenn das fotografierte Motiv tatsächlich existiert, was in dieser Ausstellung der Fall ist, kann ein Bild neue Gedanken provozieren und Fragen aufwerfen. Wie entstand diese Fotografie? Welche Bedeutung hat das Motiv? Was bedeutet das Bild für meine Vorstellung der „Realität“?

Aber sind diese Gedanken nur eine Folge der Momentaufnahme oder sind sie auch deren Ursache? Dieser Frage geht Sven Kemmler nach. Und sobald man sie stellt, ist man „Auf See“. Man steht auf dem Boden der Realität, aber dieser Boden schwankt.

Also sprach die Göttin Industria „Mein Werk verlangt nach einem Gegenteil. Ich werde es ‚Natur‘ heißen!“, während ihr Gatte Erwin, ein begeisterter Luftruderer, weiter luftruderte.

Ideen sind die Schatten der Phantasie.

Phantasie ist eine Realität, in der die Dinge noch nach ihrem Platz suchen.

Oscar Wilde befand, die Natur imitiere die Kunst. Heute imitiert Natur die Künstlichkeit.

Wenn irgendwo ein Stück Raum fehlt, wird es schräg.

Bilder sind die erwachsenen Kinder eines Schattens.

Panta rhei – alles fließt. Also ist Stillstand eine sehr langsame Zeitlupe und Bilder sind nur der Versuch, die Zeit am Fliehen zu hindern.

Der Unterschied zwischen Fliegen und Fliehen ist mit bildlichen Mitteln nur schwer darzustellen. 
Mit menschlichen hingegen leicht.

Das falsche Bild: Die Angst, diese unsägliche Angst des alten Europäers, er müsse seine Sachen packen, wenn sie mit den Booten kommen.

Geht es um die eigenen Fluchtwege, legt man hierzulande höchsten Wert auf geordnete Routen.

Am Ende des Regenbogens liegt ein Schatz, heißt es. 
Wie wahr! Doch anstatt ihn zu heben, fährt man meist an ihm vorbei.

Austausch allein vermag Inhalt zu schaffen. Abschottung bedeutet letztlich, hinter Hülsen zu veröden.

Versprechen sind der Versuch, Leere mit Zukunft zu füllen.

Strebt man nach virtueller Realität, ist es nur folgerichtig, auch die Natur durch ein Bild von ihr zu ersetzen.

Von außen betrachtet verliert das Metaverse selbst in Farbe den Großteil seiner Faszination.

Als Ausweg aus zu viel Zivilisation bleibt oft nur die Flucht ins Grüne oder ein Sprung ins Ungewisse.